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DiscorsoPubblicato il 16 settembre 2026

Eröffnungsgala der Semaine suisse du goût

Zurich, 16.09.2026 — Rede von Bundesrat Beat Jans

Vale il testo parlato (questo contenuto non è disponibile in italiano)

Sehr geehrte Frau Regierungspräsidentin
Geschätzter Herr Stadtpräsident
Cher Monsieur Zisyadis
Chers amis de la gourmandise

Warum lädt man für die Eröffnung einer kulinarischen Genusswoche ausgerechnet den Justizminister ein? Weil er für die Gerichte zuständig ist.

Ein Witz, flach wie ein Crêpe. Pointen sind halt Geschmackssache, une question de goût. Obendrein ist der Witz auch noch alt. Es gibt Sachen, die mit der Zeit besser werden: Wein, Hartkäse – oder Jahrgangssardinen. Pointen gehören nicht dazu.

Tischreden auch nicht. Aber ich hatte noch eine vom letzten Jahr daheim.

Es gibt ja viele Möglichkeiten, etwas zu konservieren: Einmachen, Trocknen, Einlegen, Fermentieren, Salzen, Räuchern oder Einfrieren. So eine Gefriertruhe ist wirklich praktisch: Wenn man im Sommer zu viel Gemüse hat, kann man es einfrieren – und dann im Winter wegen Gefrierbrand wegwerfen.

Ich habe die Rede behutsam aufgetaut – deshalb auch die Eisbrecher-Pointen am Anfang – und für heute aufgewärmt. Im Steamer schonend regeneriert. Auch Aufgewärmtes kann schmackhaft sein: Ein Gulasch, eine Minestrone oder ein Curry sind aufgewärmt sogar noch besser. Natürlich habe ich sie für Zürcher Gaumen noch ein bisschen nachgewürzt – und dafür ein paar trockene französische Weisswein-Pointen à la vaudoise im Keller gelassen…

Liebe Menschen aus Zürich und anderswo

Ich war schon letztes Jahr eingeladen, musste aber leider aus familiären Gründen kurzfristig absagen. Umso mehr freue ich mich, heute doch noch hier zu sein.

Auch wenn ich als Basler die «Genussregion Zürich» vor allem in Zusammenhang mit Auswärtssiegen des FCB kenne. Und von der ETH-Mensa und der spanischen Bodega im Niederdorf.

Vor vier Jahren war ich selbst Repräsentant der gefeierten Genussstadt Basel. Schon damals habe ich gemerkt: Die Schweizer Esskultur ist faszinierend vielfältig. Von der Waadtländer Saucisson bis zur Walliser Cholera, von den Bündner Capuns bis zur Zuger Kirschtorte – die Schweiz ist so etwas wie eine grosse Tavolata. Alle bringen etwas mit. Nicht nur die Kantone, sondern alle am Tisch. Und ich darf Ihnen versöhnlich berichten: Zürcher Geschnetzeltes wird auch in Basel gerne gegessen.

Chers amateurs de bonne chère,

L’immigration n’est jamais aussi bien accueillie que lorsqu’on parle de gastronomie. Autrefois, l’huile de tournesol était notre unique référence, jusqu’à ce que nos amis italiens nous fassent découvrir l’huile d’olive. Aujourd’hui, les spaghettis bolognaise, le kebab et le curry thaï sont devenus aussi populaires que les cornettes à la viande hachée, la saucisse de veau accompagnée d’un ballon – sans moutarde bien sûr – et l’émincé à la zurichoise. Autrefois, la tomate était pour nous une plante ornementale. Aujourd’hui, une vie sans pâtes et sauce tomate est impensable : pour de nombreuses familles, et notamment la mienne, on peut frôler la crise à l’heure du repas.

La diversité naît de l’ouverture. Et l’ouverture, c’est donner une chance à ce qui nous est étranger. Et cela ne vaut pas seulement pour les mets et les boissons.

Liebe geht durch den Magen – Integration auch. Gemeinsames Essen verbindet. Wer jemanden willkommen heisst, tischt auf, was er hat. Wer jemandem eine Freude machen will, tischt das Beste auf. An manche Essen erinnern wir uns ein Leben lang. Sie sind mit Orten und Menschen verknüpft. Gemeinsam essen können wir auch, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen – oder wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Beim Essen versteht man sich auch, wenn man sich nicht versteht.

Auch zusammen Essen und Demokratie haben viel gemeinsam. Demokratie ist wie ein feines Raclette: Es hocken viele um den Tisch. Man braucht Geduld. Es ist etwas zähflüssig. Ab und zu kommt man ins Schwitzen. Hin und wieder liegt einem etwas schwer auf. Alle müssen mal Abstriche machen. Und manchmal stinkt es einem.

Dass wir auch dann am Tisch sitzen bleiben, wenn wir nicht gleicher Meinung sind – das macht die Schweiz aus. Es geht nicht darum, dass alle denselben Geschmack haben, sondern darum, dass wir aufeinander zugehen. Über den Rösti-, Polenta- und Stadt-Land-Graben hinweg. Dass wir einander zuhören, dass wir neugierig bleiben auf andere und ihre Meinung. Dass wir miteinander im Gespräch bleiben.

Liebe Freundinnen und Freunde des Genusses

Ich hoffe, meine aufgetaute Rede hatte keinen Gefrierbrand…

Erheben wir unser Glas: Auf die Vielfalt – und die Offenheit ihr gegenüber. Auf verschiedene Meinungen und Geschmäcker. Auf dass wir Bewährtes haltbar machen, Fremdem und Neuem eine Chance geben und zusammen an einem Tisch sitzen.

So wie heute.

Je suis heureux d’ouvrir la Semaine suisse du Goût !

Bon appétit, buon appetito, ä Guete – und vielen Dank!